• Betty Bizarre

1914-Ein Weihnachtswunder mitten im Krieg




Die Nächte im 1. Weltkrieg waren normalerweise alles andere als friedlich, im nordwestlichen Flandern -es wurde an den Fronten scharf geschossen.

In den Nächten nahmen die Gefechte oftmals ab. Jeder Soldate, welcher meinte über die Ränder der Schützengräben schauen zu müssen, lief Gefahr erschossen zu werden. Zwischen der britischen Streitmacht und den deutschen Truppen lagen oftmals nur 50 Meter.

Am 24. Dezember 1914 lag eine komische Stimmung in der Luft. Obwohl es ein eiskalter, klarer Tag war, wurde nicht geschossen-dazu hatte an diesem Tag keine der Truppen Lust.

Denn: Viele Soldaten der Kriegsparteien hatten optimistisch gehofft, „bis Weihnachten“ wieder zu Hause zu sein und nun waren sie mitten im Krieg!

Die Deutschen hatten ihre Gräben mit improvisierten Weihnachtsbäumen geschmückt. Einige mutige Soldaten trauten sich Kerzen am Rande der Stellungen aufzustellen.

Am Abend erklangen dann aus dem Graben der Deutschen ungewohnte Klänge hinaus auf´s Schlachtfeld: Die Männer stimmten ein Weihnachtslied ein, welches ausschließlich Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum gesungen wurde: Heilige Nacht-seelige Nacht

Die britschen Soldaten, auf der anderen Seite, trauten ihren Ohren nicht! Sie waren sehr erstaunt über die ungewohnten Töne aus dem Schützengraben-denn die Deutschen waren für sie nichts als Barbaren!

Nun stimmten die Briten mit der Weihnachtshymne "Oh Come all ye faithful" ein und die Deutschen stimmten nun die lateinische Version ein.

2 verfeindete Nationen sangen nun mitten im Kriegswirrwar dasselbe Lied. Das war sehr ungewöhnlich!!!


Ich werde es nie vergessen, es war einer der Höhepunkte meines Lebens. Es war wunderbar.

Albert Moren, britischer Soldat


Am nächsten Morgen näherten sich vereinzelte, mutige Soldaten der gegnerischen Linie und niemand erwiderte das Feuer.

Der Zauber des Friedens hielt nun Einzug inmitten des Krieges.

Mehr als 100 000 Soldaten, auf beiden Seiten, sollen beteidigt gewesen sein.

Es gab spontane Weihnachtsgottesdienste, es wurden kleine Geschenke gemacht und sogar Fußball gespielt. Manchen tauschten sogar die Adressen aus und verabredeten sich für nach dem Krieg.

Der 25. Dezember 1914 wurde zum Tag der Verbrüderung zwischen den beiden Fronten. Das Gerücht vom spontanen Weihnachtsfrieden verbreitete sich schnell, bis weit hinter die Fronten. Am Vormittag des 2. Weihnachtstags kam es in einigen anderen Abschnitten zu friedlichen Treffen zwischen den Linien. Jedoch verlangten die Offiziere, dass mit sofortiger Wirkung wieder an den Fronten gekämpft werden sollte.

So endete am Vormittag des 26. Dezember 1914 das Wunder des Weihnachtsfriedens.


Markt und Straßen stehn verlassen,

Still erleuchtet jedes Haus,

Sinnend geh ich durch die Gassen,

Alles sieht so festlich aus.


An den Fenstern haben Frauen

Buntes Spielzeug fromm geschmückt

Tausend Kindlein stehn und schauen,

Sind so wunderstill beglückt.


Und ich wandre aus den Mauern

Bis hinaus ins freie Feld,

Hehres Glänzen, heilges Schauern!

Wie so weit und still die Welt!


Sterne hoch die Kreise schlingen,

Aus des Schnees Einsamkeit

Steigts wie wunderbares Singen -

O du gnadenreiche Zeit!


Joseph zu Eichendorff


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